Zentral in der Langen Rötterstraße gelegen, schmückt das Nord seit einem Jahr die Neckarstadt Ost Mannheims. Der Name beschreibt damit die geographischen Lage innerhalb der Stadt einerseits und die sozio-kulturelle und kulinarische Prägung durch skandinavische Coffee-Bars andererseits. Mit ‚Coffee – Lunch – Wine Bar’ trägt damit eine Location einen Untertitel, die ein gewisses Komplement zur Mannheimer Innenstadt darstellt. Mit der durch Understatement geprägten Einrichtung, der Liebe zum Filter-Kaffee und bewusst ausgewählten Nahrungsmitteln, stünde dieser Ort jeder Großstadt gut zu Gesicht. Die Inhaberin Eva Feldmann erklärt, wie das Nord seinen jetzigen Ort gefunden hat.

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Tische

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Brot_Cafe

 

EF: Eva Feldmann

SO: Stell dich doch bitte kurz selber vor.

EF: Ich komme aus Frankfurt am Main und bin seit dem Jahr 2000 in Mannheim.  Zunächst aus Studiengründen – ich habe Kommunikationsdesign an der Hochschule Mannheim studiert. Damals hätte ich mir nicht träumen lassen, irgendwann das Nord zu führen.

SO: Wie bist du auf die Idee mit dem Café gekommen?

EF: Ich war für mein Praxissemester in Oslo. Meine dortige Mitbewohnerin hat in einem Café gearbeitet. Ich wusste zum dem Zeitpunkt nicht, dass ihr damaliger Chef im gleichen Jahr Barista-Weltmeister war und überhaupt konnte ich mich für Kaffee an sich nur wenig begeistern. Wenn sie vom Arbeiten nach Hause kam, hatte sie immer ziemlich verrückte Geschichten über Kaffee und Co. dabei, die mich auch lange nur wenig berührt haben. Bis zu dem Tage, an dem ich sie im Café besucht habe und einen Cappuccino mit Latte-Art bekam. Der Kaffee war eine echte Offenbarung – ich hatte noch nie erlebt, dass Kaffee so schmecken kann.

Wieder zurück war ich als Designerin in Stuttgart tätig, danach in Mannheim selbständig. In meiner Freizeit ging ich allerdings meiner Liebe zum Kaffee nach. So habe ich beispielsweise einen Barista-Kurs im Coffee Consulate in Mannheim gemacht und dann auch im Coffee Store gearbeitet und bei der Blum Coffee Bar reingeschnuppert. Allerdings habe ich mich auch relativ schnell reif für etwas Eigenes gefühlt und schließlich mit der Suche nach einer passenden Location begonnen.

SO: Wie lange hast du gesucht?

EF: Alles in allem 3 Jahre.  Aber so genau lässt sich meine Geschichte mit dem Café bzw. dem Nord nicht eingrenzen. Zwischen Oslo und Heute liegen ca. 10 Jahre. Ich habe mir auch ziemlich lange Zeit gelassen um nach Inspiration und Ideen zu suchen.

SO: Bei den Räumen hier handelt es sich ja um einen Neubau. Kannst du uns etwas darüber erzählen?

EF: Klar! Hier war vorher eine Baulücke. Früher war im hinteren Bereich ein kleines Häuschen mit Werkstatt. Einfluss auf die Ausgestaltung des Ganzen hatte ich nur minimal, da das Gebäude, wie es sein sollte, eigentlich von vornherein durchgeplant war.

SO: Dann hattest du wirklich viel Glück, was die Räumlichkeiten betrifft.

EF: Ja, absolut. Die Vermieter, Inhaber der Edition Panorama, deren Verlagsgebäude ebenfalls viel Sichtbeton enthält, habe ich im Vorfeld mit einem anderen Projekt kennengelernt. Ihre Ausstellungsräume im Erdgeschoss des Hauses werden kaum genutzt, weswegen ein Bekannter, der heute Mitinhaber des Hagestolz ist, auf die Idee kam, dort eine Bar zu eröffnen. Wir haben alles bis ins kleinste Detail durchgeplant, am Ende hat eigentlich nur noch gefehlt, dass wir die Bar wirklich eröffnen. Daraus wurde dann allerdings nichts, da sie mich in der Zwischenzeit gefragt haben, ob ich nicht hier, in der Langen Rötterstraße, mein eigenes Café machen möchte.

SO: War es für dich immer klar, dass es Mannheim sein sollte?

EF: Eigentlich schon. Ich wusste, dass mein Freund niemals von hier wegziehen würde. Ich selbst empfinde große Zuneigung zu skandinavischen Ländern. Aber mir bzw. uns war ziemlich schnell klar, dass wir hier bleiben würden. Die einzige Frage, die sich dann noch stellt betraf den Stadtteil. Ich selbst wohne nicht in der Neckarstadt, weshalb ich mir damals auch nicht sicher war, ob das ganze funktionieren würde. Aber das Nord scheint hier in der Gegend gut anzukommen.

SO: Wir haben auf deinem Blog gesehen, dass du in Berlin und Paris warst, um dir verschiedene Cafés anzuschauen. Was genau hast du gesucht oder zu finden gehofft?

EF: Ich bin sehr viel umher gereist, in den Jahren der Vorbereitung – also bevor es das Nord überhaupt gab. Damals hatte ich auch noch keine Ahnung, dass es diesen Laden, das Nord, wie es heute aussieht überhaupt einmal geben wird.  Berlin ist in Deutschland von allen Städten in Sachen Kaffee am weitesten. Alles wird ausprobiert – jede Methode, jeder Geschmack. Dasselbe passiert zurzeit in München und Hamburg. Aber die größte Inspiration habe ich wohl aus meinen Reisen in die Skandinavischen Länder geschöpft. Ich war in Finnland, Schweden und Norwegen und habe unglaublich viel Zeit damit verbracht Cafés anzuschauen, Kaffees zu probieren und zu schauen wie der Kaffee-Alltag dort aussieht.

SO: Und der Filterkaffee – woher stammt die Idee dazu? In Berlin bekommt man ihn überall, weil jeder ihn will? Wie ist es hier?

EF: Mannheim ist noch nicht so weit – der Mannheimer ist noch nicht so weit. Wir arbeiten aber daran, das Image des Filterkaffees zu verbessern und Interesse an etwas Neuem/Alten zu wecken. Wir wollen Verständnis schaffen dafür, dass Filterkaffee nicht gleich Filterkaffee ist und der schon gar nicht auf Knopfdruck aus einer Maschine kommt – zumindest nicht bei uns. Man muss geduldig sein und sich die Zeit nehmen den Leuten zu erklären, dass Kaffee für uns irgendwie mehr ist und wir auch wollen, dass unser Kaffee für unsere Kunden mehr ist. Wir mahlen unseren Kaffee immer frisch, messen Menge, Wassertemperatur und Füllmenge. Und es ist, wie man sieht, nicht diese “schwarze Plörre” – er ist heller, fast teeartig, wie ein Fruchtsaft. Und die, die ihn dann probiert haben und sich darauf einstellen, die kommen auch wieder.

Anderen wiederum fehlt das Verständnis. Sie glauben, dass Kaffee eben schwarz sein MUSS und unserer nur zu hell ist, weil wir zu wenig Kaffee verwendet haben. In Berlin oder Skandinavien ist man da weiter – da herrscht ein anderes Verständnis, eine andere Kaffeekultur. Hier wird das einfach noch ein wenig länger dauern.

SO: Woher bekommt Ihr euren Kaffee?

EF: Wir haben aktuell zwei Röstereien. Eine aus Dresden, Phoenix Coffee Roasters. Das ist ein Ein-Mann-Betrieb, der auf Bestellung röstet und direkt importiert. Die zweite Rösterei heißt „Machhörndl“ und sie sitzt in Nürnberg. Für die Zukunft ist der Plan, dass wir viele kleine Röstereien, deutschlandweit, aber auch sehr gerne aus Skandinavien mit ins Sortiment aufnehmen und immer ein wechselndes Angebot haben.

SO: Was die Einrichtung betrifft – du hast gesagt, ein Freund hat dir geholfen. Das Konzept und die Gestaltung ist aber von dir?

EF: Ihr müsst euch das so vorstellen: Ich habe vielleicht 5.000 bis 10.000 Bilder zusammengesammelt, irgendwelche Blogs durchsucht und immer, wenn mir etwas gefallen hat, sei es die Einrichtung oder die Art, wie die Brote belegt sind, habe ich das festgehalten und aufbewahrt. Über eine Kommilitonin an der Uni habe ich Uli kennengelernt. Er ist Schreiner und ich habe immer gewusst, dass ich ihn einspannen würde, sobald mein Laden einmal „stünde“. Er plant mittlerweile nur noch Inneneinrichtungen und Möbel. Mit ihm habe ich mich dann getroffen, ihm meine Bildersammlung gezeigt und ihm gesagt, wie ich es mir vorstelle. Anschließend hat er Entwürfe gemacht. Da waren viele verrückte Ideen dabei. Irgendwann haben wir uns auf einen gemeinsamen Entwurf geeinigt und darauf hingearbeitet. Die Leute sollten den skandinavischen Touch spüren, sobald sie den Laden betreten. So ist das Konzept entstanden. Die Details vom Verlegen der Strom- oder Audiokabel bis hin zum Verputzen der Wände sind dann in Eigenarbeit erfolgt.

SO: Den Mittagstisch macht Ihr auch selbst?

EF:  Ja, genau. Ich gehe morgens immer einkaufen. Meistens überlege ich mir vorher gar nicht was ich mache, sondern gehe einfach spontan und schaue, was es im Gemüseladen am Eck gibt. Und dann gibt es eine Suppe und einen Salat (lacht).

Um den Anforderungen der Social Media gerecht zu werden habe ich mir von Anfang an zur Aufgabe gemacht jeden Mittag ein Bild vom Mittagstisch auf unsere Website, Twitter und Facebook zu stellen, damit die Leute auch wissen, was sie erwartet.

SO: Und die Weine sind alle biologisch, richtig?

EF: Sogar biodynamisch. Eine Freundin von mir arbeitet auf einem kleinen bekannten Weingut in der Pfalz. Sie ist sozusagen verantwortlich für das Weinangebot. Unsere Regel dafür lautet nur wenige offene und noch ein paar Flaschenweine. Ich glaube einfach, dass es besser ist, ein kleineres Angebot zu halten und dieses regelmäßig zu wechseln

SO: Ist das Essen auch alles bio?

EF: So weit es geht, ja. Alles was vorne an Wurst und Käse zur Auswahl da ist, ist zum Beispiel biologisch. Bei Gemüse ist es meistens biologisch, aber eher regional und saisonal. Wir haben auch Bio-Biere und -Säfte im Sortiment, genauso aber regionales.

SO: Auf eure Karte schreibt ihr das allerdings nicht, wieso?

EF: Nein, das steht noch nicht drauf. Das sollte ich aber vielleicht etwas stärker vermarkten. Es gibt so ein paar Gäste, denen unsere Preise etwas zu hoch sind. Wenn ich dann aber den Hintergrund offenlege, die Herkunft unserer Lebensmittel aufkläre – dann wird es in der Regel verstanden und auch unsere Preise kommen besser an. Vielleicht würde es helfen, wenn ich von vornherein stärkere den biologischen Anbau unserer Nahrungsmittel kommuniziere. Aber ich bin kein Fan davon, Plaketten auf alles zu kleben! Wir arbeiten dran’!

SO: Könnt ihr schon so etwas wie einen festen Kundenstamm definieren?

EF: Einen typischen Kunden kann ich allerdings nicht beschreiben – irgendwie ist von allem was dabei: Studenten, Rentner, junge Familien. Ich hatte am Anfang ein bisschen Angst, dass durch die hochwertige Einrichtung sich alles auf einen gewissen Typ reduziert und die Vielfältigkeit, die ich mir wünsche verloren geht – aber bisher kann ich sagen, dass dem bei weitem nicht so ist.

SO: Wenn du selbst Kunde bist – wo gehst du hin?

EF: Leider komme ich seit das NORD eröffnet hat nicht mehr oft dazu, abends essen zu gehen; man muss sich ja an die Öffnungszeiten der Lokale halten. Aber wenn es dann mal klappt, gehe ich gerne asiatisch essen – es gibt tolle vietnamesische oder koreanische Restaurants in Mannheim. Auch toll ist es natürlich, wenn ich zu Freunden gehen kann, die selbst Geschäfte betreiben. Da fühlt man sich gut aufgehoben und hat immer was zu reden.


Kaffee und Blumen

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Cafe Nord

Lange Rötterstrasse 66
68167 Mannheim

Tel: 0621-43707928

www.nord.li/

Öffnungszeiten

Mo:  11–22 Uhr

Di+Mi: geschlossen

Do–So: 11–22 Uhr