Bukarest ist ein überraschendes Erlebnis. Man hat kein wirkliches Bild vor Augen, bevor man in der Stadt ankommt. Auf der Suche nach interessanten Restaurants und Bars findet man nicht viele Tipps, die eine gute Küche versprechen und trotzdem abseits von Hotelkomplexen á la Intercontinental oder Hilton liegen. Umso schöner sind die vielen Hinterhöfe und Gärten, die Bukarest bereit hält. Nicht selten gibt es hier gute Drinks und eine gute Küche. Ganz ohne Garten und Hinterhof kommt Beca’s Kitchen aus, deren Inhaberin Andreea Beca in ihrer Küche ebenfalls auf seltsame Zusätze verzichtet. Sie kreiert aus frischen, regionalen und saisonalen Zutaten eine gesunde und spannende Küche. Zusammen mit ihrem aufgeweckten und fröhlichen Wesen, entsteht so eine der schönsten Überraschungen der Stadt.

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Interview: Andreea Beca

Ort: Beca’s Kitchen

Stadt: Bukarest // Rumänien

 

SO: Stelle dich doch bitte kurz vor!

AB: Zunächst habe ich an der Hochschule Deutsch und Englisch studiert. Dann bin ich nach Bukarest gekommen und habe zunächst Deutschunterricht gegeben. Das hat sich aber nicht so richtig angefühlt und ich wollte mir einen „richtigen“ Arbeitsplatz suchen.

Anschließend habe ich dann als Assistenz der Geschäftsführung gearbeitet. Das war eine deutsche Gesellschaft und die Geschäftsführung hat kein Rumänisch gesprochen, sodass ich viel übersetzt habe. Dort war ich für etwa ein Jahr, bis ich in die Expansionsabteilung gewechselt bin.

Über einen ehemaligen Deutschschüler bin ich anschließend in die Finanzberatung gekommen, obwohl ich keinerlei Erfahrung in diesem Bereich hatte. Entsprechend schwierig war die Anfangszeit für mich. Das Rumänisch war damals wie Chinesisch für mich, da ich keinerlei Kenntnis der Fachsprache hatte. Um mich mit der Thematik besser auszukennen, habe ich dann nochmals angefangen zu studieren und habe meinen MBA in Entrepreneurial Management gemacht.

Während der Krise war es allerdings äußerst schwierig in der Finanzbranche, weshalb ich wieder in die Handels-Firma gewechselt bin. Dieses mal zunächst als Projektmanagerin und dann nach einem Jahr als Abteilungsleiterin. Das war eine sehr intensive, aber auch schöne Zeit, da ich mich voll eingebracht habe und die Geschäftsführung und ich gemeinsame Werte hatten.

Mit der Übernahme durch eine rumänische Gesellschaft, hat sich das Betriebsklima leider sehr verschlechtert: Die Werte haben einfach nicht mehr gezählt. Ich hatte von nun an immer das Gefühl, dass ich die Leute in den Verhandlungen verarschen müsste. Soweit dass ich schon nicht mehr schlafen konnte. Das war ein wirklich schlimmes und negatives Gefühl, weil ich die Leute nicht betrügen wollte. Ich wollte wirklich an das glauben können, was ich mache.

SO: Wie hast du dann dort aufgehört?

AB: Ich habe dann einfach gedacht: „Schluss damit!“. In einem Meeting mit der Geschäftsführung habe ich dann gesagt: „Ma duc la cratita!“. Das ist ein rumänisches Sprichwort und bedeutet so viel wie „Ich gehe Kochen“ und wurde früher pejorativ benutzt um die Frauen in die Küche zu schicken. Im Meeting hat das aber keiner ernst genommen, weil ich natürlich auf der Arbeit immer tiptop gestylt war und niemand den Eindruck hatte, ich könnte mich jetzt tatsächlich in die Küche stellen. Alle haben gedacht ich gehe zur Konkurrenz.

SO: War das eine spontane Entscheidung?

AB: Nein. In diesem Moment habe ich zwar die Entscheidung getroffen, aber eigentlich war das etwas, was ich schon immer machen wollte. Es war dabei nicht nur die Leidenschaft für das Kochen, sondern das positive Gefühl das man hat, wenn man den Anderen was gutes gibt. Es ist wahrscheinlich einfach so ein Gefühl gewesen, das mit dem richtigen Zeitpunkt zusammengekommen ist. In dem Moment dachte ich dann einfach „So, jetzt kann ich das tun“.

Es hat lange gedauert bis ich mich getraut habe. Wie die meisten Menschen, hatte ich auch Angst aus meiner Comfort-Zone auszubrechen.

SO: Wie ging es dann konkret los?

AB: Zunächst wusste ich überhaupt nicht, wo ich anfangen sollte; ich war so erschrocken von dem Neuen, dass ich kaum noch atmen konnte. Ich wusste, dass ich nicht mehr zurück wollte aber in der selben Zeit wusste ich nicht wie ich mein Traum verwirklichen kann.

Ich habe angefangen über diesen Bereich zu lesen: Nicht nur so oberflächlich, sondern über Gesetze, Finanzierungsmöglichkeiten und habe sogar mein Businessplan angefangen. Je mehr ich gelesen habe, desto größer war die Panik. Um mich ein wenig von der Panik zu befreien, habe ich dann gedacht: „Was ist das Schlimmste was passieren kann?“

Das „Worst Case Scenario“ war dann eigentlich nicht so schrecklich. Ich habe gedacht dass ich das ganze Geld verlieren könnte, das ich  beiseite gelegt habe. Aber eben genau für meinen Traum. Damit konnte ich leben. Ich hätte mir vielleicht auch eingestehen müssen, dass meine Idee doch nicht so toll war und ich wie ein Loser von den Anderen dastehen würde. Aber sonst?

So habe ich mit der Zeit alle negativen Gedanken abgearbeitet und dann habe ich angefangen, wirklich etwas zu tun, statt mich nur selbst zu bemitleiden. Ich habe entschieden mein Bestes zu geben. Habe mein Businessplan vorbereitet, die Dokumentation für zwei Finanzierungsprogramme vorgelegt und habe eigentlich ein ganzes Jahr daran gearbeitet mein Traum zu verwirklichen.

Ob es schwer war? Sicher war es schwer!  Es verging keine einzige Woche ohne dass ich eine „Krise“ durchlaufen musste. Aber ich wollte einfach mein Bestes geben. Wenn ich mein Bestes gebe, kann ich mir anschließend keinen Vorwurf machen, wenn es nicht klappt. Ich wollte nicht 70 oder 80 werden und es nicht einmal versucht haben.

In diesem Jahr habe ich aber gemerkt, dass ich mit viel weniger Geld leben kann, da ich keine falschen Bedürfnisse – aus Frust – mehr hatte. Das war auch sehr gut zu merken.

Anschließend habe ich die Finanzierung bekommen, habe alle Genehmigungen eingesammelt (das ist auch gar nicht leicht in Rumänien) und habe endlich eröffnet. Fühlte ich mich vorbereitet? Auf keinem Fall, es folgte die zweite Runde.

Ich wusste aber nicht wie es gehen sollte. Ich hatte vorher nur für meine Freunde gekocht. Meine Mitarbeiter hatten auch keine vorherige Erfahrung in diesem Bereich . Ich hatte Menschen gesucht, die aus Liebe und mit Fantasie kochen wollten. Es war nie die Rede von einem klassischem Restaurant  mit Schnitzel und Pommes. Wir wollten fantasievolle Rezepte gesund zubereiten.

Am Anfang war es viel Stress; ein Tisch ging aber bei zwei Tischen war es schon schwierig (Lachen).

SO: Wie läuft es heute?

Mittlerweile haben wir große Fortschritte gemacht. Auch wenn mein Bistro voll ist, dauern die frisch zubereiteten Hauptgerichte nicht mehr als 25 Minuten.  Wir haben ganz viel aus unseren Fehlern gelernt und werden immer besser. Ich selber fehle selten mal eine Stunde, sonst bin ich immer hier – es macht mir wirklich Spaß zu kochen und das Resultat meinen Gästen zu servieren. Die meisten Gäste sind ganz zufrieden, und geben mir ganz viel Energie, besonders wenn sie von meinen Gerichten probieren und mit einem vollen Lächeln ein ganz langes „mmmmmmmmh“ zu hören ist.  Das finde ich himmlisch.

SO: Wo bekommst du die ganze Inspiration her?

AB: Ach, gehe ich auf den Markt. Letzte Woche habe ich ganz frische Garnelen gefunden, die wollte ich unbedingt nehmen. Dann bin ich hier in den Laden gekommen und habe innerhalb einer Stunde ein neues Gericht damit gemacht. Es sind natürlich nicht alles totale Neuerfindungen. Es ist einfach schön, kreativ und spielerisch zu sein und nicht alles klar nach Vorgaben zu machen.

SO: Gehst du zum Einkaufen auf einen lokalen Markt?

AB: Ja, Obst und Gemüse kaufe ich von den lokalen Bauern. Aber es ist auch wichtig z.B. bei Fisch, dass man von den modernen Handel einkauft, der die Transportwege richtig betreut um die Qualität zu sichern. Außerdem habe ich einen kleinen Laden, in dem ich rumänisches rotes Fleisch bekomme. Es ist wichtig, dass es frisch ist und von guter Qualität..

Ich habe etwas ganz klar bemerkt, die Leute sind schon satt von falschen Versprechungen. Sie wollen etwas authentisches kriegen. Darum habe ich mich gar nicht auf die Werbung konzentriert, sondern auf die Qualität der Gerichte. Werbung kommt von alleine, wenn das Produkt gut ist.

Nach einem Jahr habe ich die Gewinnschwelle erreicht. Mein Bistro ist nicht immer voll, aber der Umsatz hat sich ziemlich stark gesteigert und ich konnte auch ein wenig Geld beiseite legen. Ich war nicht auf den Bahamas mit meinem Geld (Lachen).

Manchmal bin ich auch müde aber die Zufriedenheit sieht man mir an.

SO: Eine letzte Frage , wir haben Bukarest angeschaut, wo sollten wir das nächste Mal hingehen?

AB: Vielleicht Brasov (Kronstadt) und dann Sibiu (Herrmannstadt) . Es wird Deutsch gesprochen und es gibt viel mehr schöne Leute als hier. (Lachen) Die Städte sind kleiner, so 150.000 – 250.000 Einwohner und noch gut erhalten.

SO: Vielen Dank! Das war sehr interessant und es schmeckt wirklich toll bei dir.

 

 

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Ich wollte nicht 70 oder 80 sein und es nicht einmal versucht haben

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Beca’s Kitchen

Strada Mihai Eminescu 80, Sector 2, Bucuresti

0722.308.960

home@becaskitchen.ro

www.becaskitchen.ro/

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag : 12 – 22 Uhr

Montags geschlossen